Wohnen im Hochhaus: Schlichte Notwendigkeit oder modernes Lebensgefühl mit Spaßfaktor?

Auch in Wien ragen immer mehr Wohnhochhäuser in den Himmel – die Meinungen dazu sind geteilt

Wien braucht Platz zum Wohnen
Wohnen in den Wolken: Das klingt exklusiv und lässt sofort an New York denken. Dort ist Wohnraum ein begehrtes Gut. Und darum geht es letztlich auch in Wien, wo Hochhausprojekte nicht nur heftig umstritten sind, sondern auch umworben und verwirklicht werden. Das liegt einerseits daran, dass die Grundstückspreise kontinuierlich steigen, andererseits daran, dass auch die Nachfrage nach dieser Art des Wohnens zunimmt.
Wien hat große Pläne
Heute wird nicht mehr nur vom Hochhaus gesprochen, sondern vermehrt auch vom Wohnturm – so wie bei dem geplanten „MySky“ Projekt. Ein Turm mit 20 Stockwerken und 65 Metern Höhe soll in Favoriten entstehen. Aber das wirkt bescheiden im Vergleich zum Marina Tower am rechten Donauufer: 130 Meter hoch wird er sein, 640 Wohnungen soll er haben. Diskutiert wird auch ein Hochhausprojekt auf dem Grundstück neben dem Millennium Tower. Von 145 Metern Höhe und 800 Wohnungen ist die Rede.

Moderner Lebensstil
Wer heute in einen Turm zieht, muss meist nicht auf Komfort verzichten. Einige der neuen Wohnhochhäuser in Wien liegen – wie die Danube Flats – auch am Donaukanal oder an der Donau. Wer das Glück hat, sich eine Wohnung in einem der oberen Stockwerke leisten zu können, kommt in den Genuss einer fantastischen Rundumsicht. Ihm liegt die Welt zu Füßen. Viele neue Türme bieten zudem eine gute Verkehrsanbindung, Shoppingmöglichkeiten, Fitnessstudios.

Sorgen und Ängste
Aber was für die einen den Inbegriff urbanen Lebensstils darstellt, klingt für andere wie eine Zumutung. Sie verbinden diese Wohnform mit Unpersönlichkeit. Größtes Unbehagen bereitet ihnen die Vorstellung, mit so vielen Menschen unter einem Dach – auf engstem Raum – leben zu müssen. Wo bleibt der Platz, wo die Freiheit, wo finde ich Ruhe? Ist das Leben im Wohnhaus auch sicher? Bin ich schwindelfrei und was passiert, wenn der Aufzug streikt?

Auf welcher Seite stehen Sie?
Zu keiner oder zu jener, die noch unentschieden ist? Haben Sie schon einmal in einem Wohnturm gelebt oder wohnen Sie bereits in einem Hochhaus? Wenn ja, was hat Sie dazu gebracht und wie stehen Sie heute zu dieser Entscheidung? Wie beurteilen Sie den optischen Eindruck dieser Projekte? Meinen Sie, dass Wien dadurch anderen Städten zu sehr zu gleichen beginnt? Was kann und was muss ein Wohnturm bieten? Garagen und Einkaufsmöglichkeiten, gute Lage, Freizeiteinrichtungen, ansprechendes Design, großzügig geschnittene Wohnungen? Zählen auch Räume, in denen man sich treffen und der Anonymität entgehen kann, dazu?

Zweifler und Befürworter
Umfragen bestätigen, dass es in Wien viele Hochhaus-Skeptiker gibt, die von sich behaupten, niemals in ein Wohnhochhaus ziehen zu wollen. Dem stehen jene gegenüber, die bereits in Wohnhochhäusern leben und auch vorhaben, zu bleiben. Ist das Wohnhochhaus möglicherweise besser als sein Ruf? Fest steht: Wien wächst und damit der Bedarf an Wohnraum. Wohnen ist eine Notwendigkeit, muss aber auch Spaß machen und nicht zuletzt leistbar sein. Kann es sein, dass der Spaßfaktor beim Wohnen letztlich nicht (nur) durch die Anzahl der Stockwerke bestimmt wird?